Diese Reise hat es in sich. Auf der Polar Star gelangen wir bis auf 1'000 Kilometer an den Nordpol. Mehr dazu im folgenden Bericht.
25.07.2003
Nach der Landung auf Spitzbergen steht ein Bus
bereit, der uns in das Zentrum von Longyearbyen bringt. Nach einer
„Stadtrundfahrt“ und der Besichtigung des Museums bleibt uns etwas Zeit übrig,
um im Einkaufszentrum die letzten Einkäufe zu tätigen und ein Kaffee mit Kuchen
zu geniessen. Am Abend bringt uns der Bus zur M/V Polar Star. Nach dem
Kabinenbezug kommen wir zum ersten Mal in den Genuss der vorzüglichen Bordküche.
Nach dem Nachtessen haben wir genug Zeit, um das Schiff zu erkunden und den
Sommerabend zu geniessen. Um Mitternacht fliegt noch die 2. Gruppe von Gästen
ein. Wir haben für heute genug gesehen und testen zum ersten Mal den
Schlafkomfort auf der M/V Polar Star.
26.07.2003
Auf 78° 15’ N werden wir über die
Bordlautsprecher geweckt. Die Wetterdurchsage gehört zum Morgenprogramm: Wolken,
6°C. Nach dem Frühstücksbuffet versammeln sich die Passagiere in der Observation
Lounge zu einem ersten Informationsmeeting. Die Führer stellen sich vor,
anschliessend erhalten wir Informationen zu der geplanten Route sowie zur
Sicherheit an Deck. Die Evakuation des Schiffes wird anschliessend auch gleich
geübt. Entlang der Westküste von Svalbard dampfen wir in Richtung von Ny
Alesund. Der Ort war früher ein Bergbauzentrum, heute ist es eine wichtige
Forschungsstation. Die Reinheit der Luft wird hier gemessen und dient als
Referenzwert für die Messung der Luftverschmutzung. Ny Alesund war auch der
Ausgangspunkt für mehrere Polarforscher zu ihren Touren in den hohen Norden.
Nach einem Rundgang durch den Ort und dem Besuch auf der lokalen Poststelle
kehren wir auf das Schiff zurück. Unser nächstes Ziel ist der Magdalenenfjorden
auf 79° 30’ N. Ein erster Höhepunkt der Reise steht uns bevor: vorbei an einer
eindrücklichen Naturkulisse fahren wir in den Fjord hinein. Auf einmal herrscht
grosse Aufregung: auf einer Bergflanke haben die Führer einen Eisbären entdeckt.
Langsam bewegt sich das Tier die Bergflanke hinunter ans Ufer. Die Crew
entscheidet, die Zodiacs zu Wasser zu lassen und näher an den Bären
heranzufahren. Vorbei an Eisschollen näheren wir uns also vorsichtig dem Bären.
Aus sicherer Distanz können wir das Tier beobachten. Nach der Rückkehr an Bord
gehen wir Müde unter die Decke.
27.07.2003
Morgens um 3 Uhr werden wir unsanft geweckt. Die
Polar Star ist auf Packeis getroffen. Schnell angezogen, nach draussen zum
schauen. Anschliessend wollen wir gleich wieder unter die Decke, es ist
saumässig kalt draussen. Ein paar Stunden später ertönt wieder der Weckruf über
den Bordlautsprecher: bewölkt, leichter Regen, 6°C. Den ganzen Tag kämpft das
Schiff mit dem Packeis. Eine offene Fahrrinne ist fast nicht zu finden. Die
Eissturmvögel stürzen sich auf jede frisch aufgebrochene Eisscholle und machen
sich über das Kleingetier her, das im Packeis eingeschlossen ist. So geht es
manchmal mehr zurück als vorwärts. Kurz vor Mittag überqueren wir 80° N. Von
hier sind es noch knapp 1'200 Km bis zum Nordpol. Gegen Abend entdecken wir ein
Walross und versuchen näher heranzukommen. Doch das Tier ist eher
desinteressiert und sucht das Weite. Am Abend fahren wir in den Sorgfjorden ein
und werfen den Anker auf 79° 55’ N. Vor dem Nachtessen gehen wir auf einen
Landgang. Dabei wird das Wetter immer schöner und wir kommen beim gehen ziemlich
ins schwitzen. Ein paar Mitglieder der Reisegruppe verspüren sogar karibische
Gefühle und gönnen sich ein Bad im sicherlich eiskalten Wasser. Nach dem
Nachtessen gibt es Drinks auf dem Hinterdeck und wir geniessen im T-Shirt die
warme Mitternachtssonne im hohen Norden. Morgens um 1 Uhr sind wir dann so
richtig müde und begeben uns unter die Decke.
28.07.2003
Der Weckruf erfolgt früh: um 6:30 Uhr beginnt
der Bordlautsprecher mit seinen durchsagen: Sonne, 5°C. Wir liegen mitten in der
Hinloppenstrasse auf 79° 35’ N direkt vor einem Ort Namens Alkefjellet. Mehr als
600'000 Seevögel haben hier ihr Brutrevier. Auf den Klippen herrscht ein
ziemliches Gedränge, und der Lärm sorgt dafür, dass alle wach sind.
Anschliessend geht die Fahrt weiter zur Insel Nordaustlandet. In der
Augustabukta auf 79° 15’ N gehen wir wieder an Land. Nach einer Wanderung über
die Moräne kümmern wir uns ein wenig um den Untergrund. Viele Steine enthalten
Versteinerungen von Muscheln und Pflanzen, ein Zeugnis dafür, dass Spitzbergen
früher einmal weiter im Süden gelegen haben muss. Über stürmisches Wasser geht
es zurück zur Polar Star. Nach dem Mittagessen landen wir auf Wilhelmoya auf 79°
07’ N. Auf der Wanderung zu einem nahe gelegenen Berg geniessen wir den Ausblick
auf eine vom Menschen nicht berührte Natur. Nach der Rückkehr nur Polar Star
geht die Fahrt weiter an die Südküste von Nordaustlandet. Dort erfahren wir
etwas über den grössten Gletscher Europas den Brasvellbreen, der über eine
Breite von fast 200 km zum Meer abbricht. Todmüde fallen wir anschliessend in
die Betten.
29.07.2003
Der Weckruf ertönt wieder viel zu früh heute:
3.5°C, Nebel und ein hoher Seegang. Beim Frühstück ist nur etwa die Hälfte der
Passagier anwesend. Vor Ryke Yse Islands werfen wir kurz den Anker aus. Zwei
Führer erkunden, ob der Wellengang eine Landung auf der Insel zulässt. Offenbar
nicht! Da es vor lauter Nebel nichts zu sehen gibt, führt die Crew eine
Besichtungstour durch den Maschinenraum durch. Das Schiff verfügt über 4 Motoren
à 3'000 PS. Die Kraft wird anschiessend auf Generatoren übertragen und erst dann
an die Schrauben weitergegeben. Als verfügt das Schiff eigentlich über einen
Elektroantrieb! Nach dem Mittagessen entdecken wir auf der Insel Edgoya einen
weiteren Eisbären. Er hat es sich unter einem Vogelfelsen gemütlich gemacht und
wirkt ziemlich desinteressiert. Anschliessend landen wir auf Halvmaneoya bei
einer alten Trapperstation. Bei einer Wanderung durch das Gelände entdecken wir
ein relativ frisches Skelett eines Eisbären. Durch den dichten Nebel geht es
dann zurück zur Polar Star. Nach dem Nachtessen wird in der Observation Lounge
eine BBC-Produktion über Eisbären gezeigt. Da das Wetter nicht besser wird,
gehen wir nach dem Film noch in die Bordbar einen heben und anschliessend unter
die Decke. Eine unruhige Nacht erwartet uns…
30.07.2003
Der Wind und der Wellengang erreichen in der
Nacht ihren Höhepunkt. Durch schwere See kämpft sich M/V Polar Star auf das
Südkap von Spitzbergen zu. Der Weckruf verkündet nicht viel gutes: 7°C, Nebel,
hoher Wellengang. Beim Frühstück bekommen wir fast ein Gefühl von Einsamkeit.
Nur etwa 20 Personen verirren sich in den Essraum. Dafür kann sich der Bordarzt
nicht über mangelnde Arbeit beklagen. Am Mittag ist das Südkap umschifft und wir
steuern auf den Hornsund zu. In Gashamna auf 76° 50’ N gehen wir wieder einmal
an Land. Später am Nachmittag unternehmen wir eine ausgedehnte Wanderung über
die Moräne eines Gletschers. Die Wanderung führt uns über klassische
Erscheinungsformen des Permafrostbodens: Steinkreise. Nach dem Nachtessen zieht
es uns wieder einmal in die Bar, wo wir unseren Schlummertrunk zu uns nehmen.
Durch ruhigeres Fahrwasser gehen wir unserem letzten Tag auf Deck
entgegen.
31.07.2003
Die obligate Wetterdurchsage: 12°C, bewölkt,
leichter Regen. Nichts kann uns davon abhalten, den letzten Tag auf Deck in
vollen Zügen zu geniessen. Ein paar von den vermissten Passagieren tauchen
wieder aus ihren Kabinen auf…! Nach dem Frühstück unternehmen wir einen
Zodiactrip entlang einer Gletscherfront: dem Nordenskioldbreen. Dabei erhalten
wir Besuch von einem Seehund, der neugierig um die Zodiacs herumschwimmt. Am
Rande des Gletschers versuchen wir eine Landung und wollen die Moräne erkunden.
Weit kommen wir nicht, denn wir sind mitten in einer Brutkolonie von
Seeschwalben gelandet. Und diese haben gar keine Freude an unserm Besuch uns
machen die mit lautem Schreien und einigen Attacken auch unmissverständlich
klar. Wir landen anschliessend noch in Brucebyen, einer alten Siedlung zur
Erforschung der Bodenschätze der Insel. Am Nachmittag landen wir in Skansebukta
am Ende des Billefjorden. Nach dem Landgang gibt es zum Nachtessen ein Barbeque
auf Deck. Während es die meisten vorziehen, drinnen zu essen, zieht es uns mit
ein paar unentwegten Norweger nach draussen. Es ist zwar bitterkalt, dafür aber
rauchfrei. Nach dem Nachtessen werden wir noch über den Ablauf der Auswasserung
in Longyearbyen informiert. Unser Flug nach Tromso geht am 1.8.2003 um 03:30 Uhr
los, das heisst, wir müssen um 01:30 Uhr aufstehen. Eine kurze Nacht und ein
langer Tag stehen uns also bevor!